Leben oder Leiden

 

Alles fing im Mai 1996 an, als mich meine erste Panikattacke voll erwischte.....oder wie ich heute gerne sage, den Tag, an dem ich zum ersten Mal starb.

 

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich jedoch keine Ahnung und dachte mir auch noch nichts dabei. Doch es wurde immer schlimmer, die Angst, hatte mich voll im Griff und ich hatte keine Erklärung dazu. Die Symptome wurden immer schlimmer und der Spiessrutenlauf begann. Ich ging von Arzt zu Arzt, doch niemand fand etwas, ich war völlig gesund. Doch ich fühlte mich alles andere als Gesund, im Gegenteil und es wurde schlimmer. Ich war mehrmals im Notfall, EKG, Computertomographie, Blutuntersuchung etc. etc. und man fand nichts. Ich fing an, an mir selbst zu zweifeln und dachte langsam verrückt zu werden. Irgendwann kam ich an einen Punkt, wo mir alles egal war und dachte okay, wenn es aus ist, dann ist es halt eben so. Dies war die Wendung und es ging mir plötzlich besser, ich hatte keine Erklärung dafür. Ich konnte endlich wieder leben, zwar mit kleineren Rückfällen, aber ich war "Lebensfähig".

 

1998 hatten wir dann endlich Internet und ich suchte im Web nach meinen Symptomen und siehe da, ich wurde fündig. Ich schrieb alles auf und machte einen Termin bei meiner Ärztin. Ich besprach mit ihr was ich gefunden hatte und sie stimmte mir zu. Ich war erleichtert, denn ich hatte endlich eine Erklärung und einen Namen, ich litt unter Angst und Panikattacken. Es war befreiend, denn jetzt wusste ich, ich bin nicht verrückt. 

 

Als ich schwanger wurde, begann nicht nur in mir ein neues Leben, sondern auch mir ging es wieder gut und ich konnte die Schwangerschaft, wie auch das Leben in vollen Zügen  geniessen. Es war herrlich!

Die Zeit nach der Geburt war wieder rum hart, da ich eine Wochenbettdepression bekam. Doch durch Gespräche mit den Ärzten und der Familie, habe ich diese schnell überwunden. Doch im Jahr 2002 bekam ich wieder einen Rückfall. Durch Gespräche mit Betroffenen, die ich durch das Internet gefunden habe, war es nicht so schlimm. Ich durfte sogar einen Menschen kennen lernen, der bis heute zu meinen engsten Freunden gehört und dessen Freundschaft ich nicht mehr missen möchte. Er hat mir viel beigebracht und gelernt zu verstehen. Dank dieser Freundschaft und auch dank einer Freundin, die mich nach draussen holte, ging es mir wieder besser und ich konnte unbeschwert leben ohne Ängste oder Panik.

 

Vor 3 Jahren hatte ich wieder einen Rückfall und hinzu kam die Agoraphobie. Seit dem November 2012 kann ich das Haus nicht mehr verlassen, es wurde so schlimm, dass ich nicht mal mehr in die Waschküche konnte. Ich bin auch wieder in Behandlung und meine Psychiaterin, kommt zu mir nach Hause, wofür ich dankbar bin! Dank der Hilfe meiner Psychiaterin und meiner Familie, geht es mir etwas besser. Dass heisst, ich kann wieder ohne Probleme alleine zu Hause sein und die Waschküche, na ja, da nur ich waschen kann, bleibt mir nichts anderes übrig, daher begleitet mich entweder mein Mann oder unsere Tochter. Es gibt jedoch auch Tage, an denen ich ohne Probleme alleine in die Waschküche gehen kann.

 

Ich habe das unsagbare Glück, dass ich einen wundervollen Mann an meiner Seite habe, der zu mir steht und auch eine Tochter, die mich genauso unterstützt!! Natürlich möchte ich auch meine Freunde nicht vergessen, die mich so akzeptieren wie ich bin!! Leider habe ich auch viele Menschen verloren, weil ich nicht mehr die "alte" war und sie mich als Simulantin abgestempelt haben, die nur Aufmerksamkeit wollte. Anfangs war es hart, doch ich habe erkannt, wer die wirklichen Freunde sind und jene Freundschaft möchte ich nicht mehr missen!

 

An dieser Stelle möchte ich einfach mal

 

                                          sagen

 

 

 

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